Blaues Kreuz Kaiserslautern aktiv
Am Sonntag, dem 13. September 2026, verwandelte sich die Mennonitenstraße im Kaiserslauterer Grübentälchen in eine lebendige Festmeile. Zwischen 11:00 und 17:00 Uhr strömten zahlreiche Anwohner*innen und Besucher*innen zusammen, um das traditionelle Stadtteilfest zu feiern. Auch dieses Jahr wieder mit am Start, WIR vom Blauen Kreuz Kaiserslautern. Unter dem klaren Motto, Präsenz genau dort zu zeigen, wo Hilfe am dringendsten gebraucht wird und sich dabei bewusst, den sichtbaren Herausforderungen zu stellen. Das Grübentälchen gilt in Teilen als sozialer Brennpunkt der Stadt, was sich auch in der Dynamik des Publikums vor Ort widerspiegelte. Für den Infostand des Blauen Kreuzes bedeutete dies ein sehr anspruchsvolles Umfeld. Soziale Schieflagen waren an diesem Tag kein abstraktes Thema, sondern hautnahe Realität. Hier heißt es dann, Stellung halten und wenn nur ein einziger Mensch an diesem Tag durch unseren Stand einen Denkanstoß erhalten hat ist das „Ziel erreicht“. Berührungsängste abbauen und unvoreingenommen auf die Menschen zugehen ist oft der entscheidende Schlüssel.
Unser besonderes Augenmerk galt an diesem Tag den Jüngsten. Zahllose Kinder wuselten durch die Straßen und belebten das Fest. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie einfach es ist den Kleinen mit einem offenen Ohr, einem netten Wort und etwas Wärme ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich möchte daran glauben, dass wir kleine Momente geschaffen haben, die im Alltag der Kinder nachgewirkt haben.
Wie bereits beim Ehrenamtswochenende im August lag auch im Grübentälchen unser Fokus auf dem Verteilen von Informationsmaterial zum Thema FASD (Fetale Alkoholspektrumstörungen). Die durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft verursachten Schädigungen bei Neugeborenen sind dauerhaft und begleiten die Kinder ein Leben lang. Hier ist Aufklärungsarbeit dringend notwendig, da die breite Öffentlichkeit die Erkrankung entweder gar nicht kennt oder der Annahme ist, dass nur alkoholkranke Frauen davon betroffen sind. Dass Aufklärung dringend notwendig ist, hat ein Gespräch mit der stellvertretenden Leitung einer, in der Mennonitenstrasse angesiedelten, Kindertagesstätte gezeigt. Ursprünglich hatten wir den Kindergarten aufgesucht und gebeten, Infomaterial zum Thema auslegen zu dürfen. Während dem konstruktiven Austausch mit der Pädagogin stellte sich dann heraus, dass auch sie davon ausging, dass nur Schwangere mit Suchtsymptomatik in Bezug auf Alkohol betroffen sind. Umso erstaunter war sie, von uns zu hören, dass es jede Frau treffen kann, die während der Schwangerschaft bewusst oder unbewusst Alkohol konsumiert. Hier konnten wir direkt einen wertvollen Kontakt zu der Expertin Claudia Kettering vom FASD-Netz Westpfalz vermitteln. Dort möchte die Erzieherin umgehend eine gezielte, fachspezifische Schulung für das gesamte Kita-Team anfragen.
Dieser Sonntag hat einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass wirksame Suchthilfe und Prävention nicht im theoretischen Raum stattfinden darf. Sie muss stattdessen mitten im realen Leben ansetzen. Danke an alle, die sich dieser Herausforderung gestellt und dem Blauen Kreuz Kaiserslautern ihre Zeit geschenkt haben.
Sabine aus Lautern





